Coaching hinter der Linse: Wie wir die Leidenschaft für Mädchenbasketball weitergeben
Als Coach ist man es gewohnt, Spielern auf dem Parkett Laufwege, Taktiken und mentale Stärke zu vermitteln.
Doch mein Trip zur FIBA U17 Women’s World Cup nach Brünn hat mir gezeigt, dass der Begriff „Coaching“ weit über das Spielfeld hinausgeht. Der absolute Fokus dieser Reise lag auf dem Mädchenbasketball – einer Sportart, die visuell noch viel mehr Sichtbarkeit verdient. Generell möchte ich für leidenschaftliche Fotografen in der Bruchsaler Gegend mein Wissen weitergeben.
Die @germanwbb-Crew: Wenn Leidenschaft auf Expertise trifft
In Brünn hatte ich das Privileg, mit einer Truppe zusammenzusitzen, die genau diese Mission lebt. Gemeinsam betreiben sie den großartigen Instagram-Account @germanwbb, der sich voll und ganz dem deutschen Frauenbasketball widmet.
Hinter diesem Projekt stehen drei talentierte Jungs, die das Geschehen an der Grundlinie meisterhaft festhalten: Joel (@joel_krue), Sam (auf Instagram unterwegs als @samwithacam_11 und @samoncourt_11) sowie Flo (@shotsby.flo). Aus tiefgehenden Gesprächen über Kameras, Objektive und die unzähligen Möglichkeiten der Sportfotografie entwickelte sich schnell ein intensiver Austausch über Wissensvermittlung. Wie geben wir unser Wissen weiter? Wie machen wir aus begeisterten Zuschauern exzellente Fotografen? Wie verdient man mit Sportfotografie Geld? Schließlich kosten Reisen, Equipment und Speicherplatz sehr viel Geld.
Coaching-Prinzipien für die Sportfotografie
Aus unseren Gesprächen über Equipment und Techniken habe ich drei zentrale „Coaching-Ansätze“ mitgenommen, wie man Neueinsteigern in der Sportfotografie am besten auf die Sprünge hilft:
1. Das Equipment entmystifizieren (Der richtige Werkzeugkasten) Wenn man jemandem das Fotografieren beibringen will, scheitert es oft an der Angst vor der Technik. Sam, Flo und Joel waren sich einig: Man muss Anfängern erklären, dass sie für gute Bilder beim Mädchenbasketball nicht direkt das teuerste Setup brauchen.
Das Coaching-Learning: Wir müssen Neueinsteigern beibringen, warum man in einer dunklen Halle eine offene Blende braucht und wie man mit dem ISO-Wert spielt, um schnelle Bewegungen einzufrieren. Es geht darum, das Equipment als Werkzeug zu begreifen – genau wie ein Basketballschuh den Spieler unterstützt, aber nicht von alleine wirft.
2. Anticipation: Das Spiel lesen lernen Ein guter Point Guard ahnt voraus, wo sein Mitspieler hinläuft. Ein guter Fotograf ahnt voraus, wo die Emotion entsteht. Genau wie im Basketball kann man Antizipation coachen.
Das Coaching-Learning: Wenn ich jemanden an der Kamera anleite, sage ich ihm nicht: „Drück ab, wenn sie wirft.“ Ich sage: „Achte auf die Körpersprache nach dem Foul“ oder „Beobachte die Bank beim Fastbreak.“ Gerade beim U17-Mädchenbasketball sind die Emotionen auf und neben dem Feld enorm greifbar. Die Fähigkeit, Momente vor ihrem Entstehen zu sehen, ist das, was wir als Mentoren an junge Fotografen weitergeben müssen.
3. Eine konstruktive Feedback-Kultur etablieren (Die Bildbesprechung) Genau wie die Videoanalyse nach einem Spiel braucht auch die Fotografie konstruktives Feedback. Wie Flo und Joel ihre Bilder sichten, auswählen und bewerten, erinnert stark an das Auswerten von Game-Tape.
Das Coaching-Learning: Um jemanden fotografisch besser zu machen, müssen wir aufhören, nur „Tolles Bild!“ zu sagen. Wir müssen gezieltes Feedback geben: „Der Fokus sitzt, aber wenn du einen halben Meter weiter links stehst, hast du das Gesicht der Verteidigerin noch mit drauf.“ Durch dieses gezielte Mentoring und den gemeinsamen Austausch – wie es die Jungs bei @germanwbb vorleben – hebt man das Niveau der gesamten Szene an.
Fazit: Sichtbarkeit durch Wissensweitergabe
Der Austausch in Tschechien war für mich ein absoluter Eye-Opener. Den Mädchenbasketball durch hochwertige Medienarbeit zu pushen, ist extrem wichtig. Doch noch wichtiger ist es, das Wissen darüber zu teilen. Nahezu jeder kann im Freizeitbereich im kleinen Verein anfangen – ähnlich wie jeder sportbegeisterte Vater Minicoach werden kann. Manchmal geht es nicht um das Können, sondern um das Wollen. Egal ob auf dem Court oder hinter der Kamera: Coaching bedeutet, das Potenzial in anderen zu erkennen und ihnen die Werkzeuge zu geben, um es zu entfalten. Die Jungs von @germanwbb machen genau das vor – und ich nehme aus Brünn die Inspiration mit, diesen Coaching-Gedanken zukünftig noch viel interdisziplinärer zu denken.
Es war eine tolle Zeit. Vielen Dank für die zahlreichen Stunden und Gespräche hinter und abseits der Baseline!
